Erste Schulartübergreifende Tagung "Gebundene Ganztagsschule" in Bayern

Ein reger Informationsaustausch über Schulformgrenzen hinweg, spannende Workshops und ein anregendes Impulsreferat kennzeichneten die 1. Schulartübergreifende Tagung für gebundene Ganztagsschulen in Oberbayern am 13. Januar 2012 in Garching. Zu der Veranstaltung der Serviceagentur "Ganztägig lernen" in Bayern, die in Kooperation mit der Regierung von Oberbayern organisiert wurde, waren mehr als 400 zumeist Pädagoginnen und Pädagogen gekommen. Sie bereuten ihre Anmeldung nicht. Stellvertretend die Aussage einer erfahrenen Lehrerin einer Mittelschule: "Noch nie hat mich eine Tagung so motiviert."

Am liebsten, so gestand sie, hätte sie an nahezu allen Workshops teilgenommen. Deren Inhalte reichten von der Klassenraumgestaltung über den Nutzen einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Elternhaus, die Integration von Erlebnis- und Naturpädagogik in die Ganztagsschule oder die Ermittlung von individuellen Stärken und Schwächen der Kinder bis zur erfolgreichen Rhythmisierung des Schultags.

Wie sehr sich die Schullandschaft hin zu immer mehr Ganztagsangeboten in Bayern entwickelt habe, hob der Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Bernd Sibler, hervor. Er erinnerte an längst vergangene Zeiten, "als die Ehefrau des Hausmeisters für das eine Kind, das aus familiären Gründen länger in der Schule bleiben musste, eine Suppe gekocht und ein Plätzchen in einem freien Klassenzimmer gesucht hat". Heute gebe es bereits 956 gebundene Ganztagsschulen.

Sibler betonte aber auch: "Wir setzen in Bayern auf Freiwilligkeit." Die Entscheidung, ob ein Kind ein Ganztagsangebot nutzen solle, liege allein bei den Eltern. Er habe großes Vertrauen in Eltern, die meinten, die Erziehung alleine leisten zu können. "Aber wir stehen in der Verantwortung für alle, die es anders wollen", fügte er hinzu. Möglich sei die hohe Dynamik des Ausbaus an Ganztagsangeboten durch eine faire Partnerschaft zwischen Staat und Kommunen.

Wie aus seiner Sicht ein gebundener Ganztag gelingen könne, erläuterte der Gründer des Studienhauses Sankt Blasien, Wolfgang Endres, in seinem Impulsreferat "Kooperative Lernarrangements für den Unterricht in gebundenen Ganztagsschulen". Dabei verdeutlichte er den Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmern  spielerisch die in jeder Klasse und Gruppe existierende Heterogenität. Die Frage, ob sie die Lösung eines komplizierten Zahlen-Bilderrätsels interessiere und ob die Thematik vertieft werden solle, bescherte höchst unterschiedliche Antworten und machte klar: Auch in einer Schulklasse gibt es gravierende Unterschiede in den Interessen und Voraussetzungen, die es im Unterricht zu vereinen gelte. Endres riet den Anwesenden: "Wir sind gut beraten, Unterschiedlichkeit als normal zu betrachten." Es sei die Aufgabe "von uns Pädagogen", die Balance zu finden, dass sich jeder in der Klasse  aufgehoben fühle. Er räumte ein, dass dies angesichts der Entwicklungsunterschiede der Schülerinnen und Schüler und deren individuellen Stärken und Schwächen eine tägliche Herausforderung sei.

Über einzelne Inhalte der Workshops dieser 1. Schulartübergreifenden Tagung für gebundene Ganztagsschulen in Oberbayern berichtet www.ganztagsschulen.org in den kommenden Tagen.

 

Quelle:

Lüke, Stephan: Erste Schulartübergreifende Tagung "Gebundene Ganztagsschule" in Bayern. URL: http://www.ganztagsschulen.org. Datum des Zugriffs: 14.02.2012